Riechen und Schmecken in der HNO-Praxis

Der Riech-Geschmacksinn spielt in unserem täglichen Leben eine außerordentlich wichtige Rolle. Er ist für unsere Lebensqualität sehr bedeutsam und hat zugleich eine wichtige Warnfunktion. Die Bedeutung dieser Sinnesleistung tritt meistens erst dann ins Bewusstsein, wenn eine Störung der Riech- und Schmeckfähigkeit (Dysmie) auftritt.

Die Riechnervzellen sind im Bereich der oberen Nasenmuschel und somit im höchsten Abschnitt der Nasenhaupthöhle angesiedelt und bedecken etwa die Fläche von ca. 1qcm.

Wenn Duftmoleküle diese Region erreichen, wird über sehr komplexe Abläufe ein Riechempfinden ausgelöst. Die Reize werden über Riechfäden, den Filae olfactoriae, dem Riechzentrum im Gehirn übermittelt, wobei die Fäden durch die knöcherne Schädelbasis hindurchtreten.

Fast alle Geschmacksempfindungen werden über die Nase registriert, und nicht über die Zunge, wie oft vermutet. Die Zunge erkennt die Geschmacksqualitäten: süß, sauer, salzig und bitter. Die übrigen Qualitäten werden im Bereich der hinteren Nase den Riechrezeptoren zugeleitet und dort empfunden. Beim Vanillepudding zum Beispiel erkennt die Zunge die Qualität „süß“, die Nase aber die Qualität „Vanille“. Nur wenn der Zugang zur Nase frei ist, ist einwandfreies Riechen und Schmecken erst möglich.

Ursachen für ein eingeschränktes Riechvermögen

Häufigste Ursache für ein eingeschränktes Riechvermögen (Hyposmie) ist der banale Schnupfen. Jeder kennt dieses Gefühl: Speisen können weder gut gerochen noch geschmeckt werden. Die angeschwollenen Schleimhäute und der Schleim in der Nase behindern den Kontakt zwischen den Duftstoffmolekülen und den Riechnervzellen. Mittels abschwellenden Nasentropfen geht diese Unannehmlichkeit meist in wenigen Tagen vorüber.

Eine weitere, nicht seltene Ursache sind Polypen, die in der Nase wachsen. Wenn sie eine Riechminderung hervorrufen, bildet sie sich nicht so einfach zurück. Ursache für die Störung sind Schleimhautwucherungen, die die Riechnervzone bedecken und den Kontakt von Duftstoffmolekülen mit den Riechnervzellen behindern.

Bei den vorgenannten Beispielen wird die Dysosmie dadurch hervorgerufen, dass die Riechnervzellen bedeckt und somit für die Duftstoffe nicht zugänglich sind. Die Beseitigung der Hindernisse stellt das Riechvermögen wieder her.

Problematisch wird die Situation, wenn die Riechnerven selbst geschädigt werden. In einem solchen Fall können die Betroffenen nichts mehr riechen oder schmecken, abgesehen von den Leistungen der Zunge (süß, sauer, salzig, bitter). Dies kann im Rahmen eines viralen Schnupfens geschehen, wenn besonders aggressive Viren nicht nur zur Schleimhautschwellung führen, sondern die Riechnerven selbst zerstören. Dieser Vorgang wird von den Patienten nicht immer sofort bemerkt und auch nicht gleich Ernst genommen. Oft lassen sich die Patienten erst nach Wochen untersuchen.

Auch eine Kopfverletzung kann einen völligen Riech- und auch Schmeckverlust auslösen. Ursache dafür ist ein Abriss der Riechfäden, die die Verbindung zwischen den Riechnervzellen und dem Gehirn herstellen. Sie treten durch knöcherne Schädelbasis. Durch Abscherkräfte können die Riechfäden abreißen. Die Patienten bemerken den Verlust meist sehr schnell.

Sehr selten kommen Tumore im Bereich des Riechzentrums vor.

Im Falle des Riechverlustes sollte eine eingehende hals- nasen-, ohrenfachärztliche Untersuchung erfolgen. Nach einer gezielten Anamnese erfolgt die gründliche Inspektion der Nasenhaupthöhlen, auch mittels Nasenendoskopie. Sollten beispielsweise Polypen gefunden werden, wird eine CT der Nase und Nasennebenhöhlen veranlasst, um die Ausdehnung der Schleimhautverdickungen zu erkennen.

Die Therapie besteht im Wesentlichen in der Anwendung von Medikamenten. Meistens reichen abschwellende Nasensprays beim gewöhnlichen Schnupfen. Beim Verlust des Riechvermögens durch aggressive Viren werden kommen Steroide und Durchblutung fördernde Medikamente in Frage.

Im Falle der Verlegung der Nase durch Polypen müssen operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.